Würzburg und der Gesang
Die Niederholzner Maria war eine
wunderschöne Frau, der schon in sehr jungen Jahren die Männer
scharenweise hinterherliefen. Unter ihnen befand sich auch Thaddeus
Spickmann, der als Erfinder des Spickzettels gilt, den er bei einer
Klausur zum Thema „Moderne Kommunikation“ erstmals erfolgreich
einsetzte. Auch der Entwickler des Paniermehls der Wamperl Alois, ein
Metzgergeselle, gehörte zu den hartnäckigsten Verehrern der schönen
Frau. Und auf der Flucht vor diesem extremen und kein „Nein“
akzeptierenden Verehrer gelangte anno Domini 667 die junge und schöne
Maria, die aus den Niederungen Oberbayerns stammte, in die Nähe des
Mains und blickte von einem Berg hinab zum Fluss.
Voller Begeisterung sagte sie zu sich (hier ins Hochdeutsche übersetzt): „Hier gefällt es mir. Ich bleibe.“
Die Niederholzner Maria hatte etwas
Geld und dank einer gerade eingeführten Wohnungsbauprämie ließ sie sich
ein kleines Häuschen auf dem Berg erbauen und eröffnete einen kleinen
Laden. Sie versorgte von nun an die in einigen weit auseinander
liegenden Höfen lebenden Menschen mit allerlei Würzkräutern, wie
Liebstöckel oder Minze. Aber auch Salz, Essig, Wein, Knoblauch, Ingwer
und sogar Honig gab es bei ihr zu kaufen. Ein kleines Schild mit dem
Schriftzug „Marias Würzkraut“ zierte das kleine gepflegte Haus der
schönen Frau. Schon bald gehörte auch ein adliger Herr zu ihren Kunden,
der gerne auch mal zum Vergnügen ihre ganzen Gewürze aufkaufte. Er
verliebte sich in sie und ließ in unmittelbarer Nachbarschaft eine
kleine, feine Burg erbauen. Er nannte sie Würzburg und der Berg erhielt
bei dieser Gelegenheit gleich auch einen Namen und wurde nun Marienberg
nach der Gewürzhändlerin genannt.
Als Pippin Freiherr Mausbart nur fünf
Jahre später bei einem vollkommen unnützen Feldzug nicht nur vom Pferd,
sondern auch in sein Grab fiel, begann die trauernde Maria zu
wehklagen. Vier Wochen lang wehklagte sie ohne Unterlass, aß nichts und
brach schließlich erschöpft zusammen. Aber Marias Wehklagen hatte den
ehemaligen zweiten Vorkoster des Freiherrn Pippin, Gotthilf Fischbeck
dermaßen inspiriert, dass der Mann – talentiert bis hinunter zu seinen
Fußsohlen – anhand Marias Tonfolgen, Lieder zu schreiben begann. Auch
Fischbeck war ein großer Verehrer der schönen Maria und hatte in seiner
Funktion auf der Burg auch beruflich mit ihr zutun gehabt. Aber durch
ein Magenleiden war er arbeitsunfähig und arbeitslos geworden, und
hatte sich wie zahlreiches anderes Volk zwischen der Gewürzhandlung und
der Burg angesiedelt. Da er die Frauen und die Musik liebte, fasste
Gotthilf Fischbeck den Entschluss einen Frauenchor zu gründen. Damals
wurde sonst nur in den Kirchen und Klöstern gesungen. Bevor er die
ersten Frauen für seinen Plan gewinnen konnte, stand für ihn schon der
Name seines Chores fest. Er sollte „Die Gewürzmädchen“ heißen. Die
ersten „Spice Girls“ der Musikgeschichte.
Maria war inzwischen gesundet und
führte ihren Laden mit wehem Herzen weiter, während Pippin Freiherr
Mausbarts Erbin Gerdlinde zu Steinbach-Steinreich-Steinbach in die Burg
gezogen war. Freifrau Gerdlinde war als „die blutige Gerdlinde“
bekannt, denn in den damals angesagtesten Gourmettempeln sah man sie
nur Blutwurst oder Hühner in jedweder Form verzehren. Eine sehr
einseitige Ernährung, aber für sie kam nichts anderes in Betracht. Wenn
Gerdlinde an einem Hühnerstall vorbei schritt, spürten die Tiere
instinktiv die Gefahr, die von der Freifrau ausging, deren Magen man
schon als Hühnerfriedhof bezeichnen konnte. Aber auch Gerdlinde war
sehr musikalisch, besonders wenn sie das Mark aus den Hühnerknochen
heraussaugte, ertönten manchmal Laute, die bei Fischbeck massiv
Gänsehaut auslösten.
Nach nur einem Jahr Probe feierte der
12-Köpfige Frauenchor in Würzburg seine Premiere und begeisterte das
Publikum und die anwesende Freifrau Gerdlinde. Gotthilf Fischbeck
begann daraufhin eine große Deutschlandtournee mit den „Gewürzmädchen“
zu planen. Die schöne Niederholzner Maria übernahm für den Chor das
Management, sodass sich Fischbeck voll auf das Künstlerische
konzentrieren konnte. Die Tournee wurde ein großer Erfolg. Der
Wohlklang, die Rhythmik und natürlich das Aussehen der Damen – darauf
hatte Gotthilf bei der Auswahl besonders Wert gelegt, ließen die
männlichen Fans derart in Verzückung geraten, dass sie voller Euphorie
– auch das war eine Premiere – die damals obligatorischen
Outdoor-Fußlappen und auch ihre langen Unterhosen auf die Bühne warfen.
Zum Repertoire der „Gewürzmädchen“ gehörten nicht nur Klagelieder,
sondern auch fröhliche Stücke, die bald darauf ganz Deutschland erobern
sollten. Die Würzburger Frauen erzählten mit ihren Gesängen
authentische Geschichten, deren größter Chartbreaker „Würz’ dein Leben“
wurde.
So wurde Würzburg und nicht Wien,
London, Konstantinopel oder Kleinbonum der Mittelpunkt der
musikalischen Welt, wie die Financial Times Deutschland schrieb.