Soest und der Workshop
Im
9. Jahrhundert lebte im Westfälischen ein junger Mann, groß und
kräftig, namens Dankwart Soest. Er verdingte sich in vielen Berufen, zu
denen für einen Mann auch untypische Tätigkeiten gehörten. So arbeitete
er mehrere Jahre halbtags als Weißwäscher bei der Hofwäscherei Weißklee
unter Meister Shlomo Christensen, der des Öfteren Weichspüler und Wodka
verwechselte und so den Wodka in die Wäsche und den Weichspüler in
seinen gierigen Schlund kippte, was ihn aber gesundheitlich kaum
schadete. Den Rest eines langen Arbeitstages war Soest als Klöppler bei
„Mutter Herma“ Martini beschäftigt, die einen kleinen Handarbeitsladen
betrieb.
Aber Soests große Leidenschaft war
der Tanz oder was er dafür hielt. Eigentlich ging es ihm um Bewegung um
jeden Preis, sei es ein Ausdruckstanz, den er gerne vor den anderen
Klöpplern – samt und sonders ältere Damen – vorführte und wo er eine
aufgehende Teichrose darzustellen versuchte, oder wenn er
anspruchsvolle Reckübungen für die Weißwäscher-Kollegen – ebenfalls
ausnahmslos Damen – an der Klopfstange zeigte. Auch ein Slalom um die
Wäscheleinen gehörte zu Dankwart Soests täglichen Übungen. Die Damen
himmelten ihn an und die Männer schüttelten nur ihre Köpfe, wenn sie
zufällig Soest in Aktion sahen.
Zu jener Zeit hielt Dankwart Soest
Workshops für Bewegungswillige ab und kassierte dafür einen kleinen
Obolus. Seine Workshops hielt er auf einer kleinen Wiese vor dem Hause
der Witwe Änne Roswitha Bickdorff ab, der er für ihre Unterstützung
sehr dankbar war. Deshalb hatte er das von ihm kreierte
Fitness-Programm, das hauptsächlich die etwas dickeren und
bewegungsmüden Teilnehmer seiner Workshops ansprechen sollte, auch
Ärobick in Anlehnung an ihren Namen getauft. Die Wiese als Ort für
seinen Workshop war den etwas fülligeren Teilnehmern geschuldet, die
besonders bei den Beugeübungen auch schon einmal das eine oder andere
übel riechende Tönchen abgaben, was in geschlossenen Räumen auf die
Dauer doch zu Naserümpfen und Problemen bei der Atmung geführt hätte.
Als das Bewegungsgenie aus Spaß an
der Freude eine Volkstanzgruppe zu trainieren begann, lernte er dort
die hübsche Blondine Heidemarie Klumpf kennen, die hauptberuflich als
Model für Strick- und Nonnenmoden arbeitete und deren Onkel Rainer
Schwesterle einen großen Gasthof betrieb, wo an jedem Sonntagnachmittag
nach dem Kirchgang ein Unterhaltungsprogramm dargeboten wurde. Und nun
sah Soest für sich die Möglichkeit die Ergebnisse seiner Workshops
neben Heidemaries Modenschauen im Gasthof Schwesterles zu präsentieren,
natürlich auch um Werbung für sich zu machen und seine Übungsbeispiele
an interessierte Menschen zu verkaufen. Denn es gab nicht nur spezielle
Kleidung, die Heidemarie für ihn entworfen hatte, sondern auch
gezeichnete Übungshefte, wo die einzelnen Bewegungsabläufe detailliert
dargestellt wurden. Diese liebevollen Zeichnungen hatte Herma Martinis
Sohn Klaus-Adolf angefertigt, der sich eigentlich als Darmflorist und
Donnerbalken-Designer einen Namen gemacht hatte.
Manchmal war Dankwart so voller Elan,
dass er beim Pirouettendrehen einfach nicht aufhören konnte und solange
durchhielt, bis er seinen Mageninhalt druckvoll verlor. Mit den Jahren
wurde Änne Roswitha Bickdorffs Wiese durch den ständig zugeführten
zusätzlichen Dünger immer fruchtbarer und so siedelten sich dort bald
Bauern an und ein Ort entstand, der auf Wunsch der Witwe Bickdorff nach
dem Bewegungswunder Dankwart Soest, Soest genannt wurde.
Nach dem friedlich verlaufenen Tode
der Witwe plante deren Erbe eigentlich dort den so genannten „Deutschen
Stretchdackel“ für seinen Mentor, den Obergerichtspräsidenten und
Vorsitzenden des überregionalen Dackelherrchenverbandes, Dr. Darius
Möhlenkieker, zu züchten, aber Tierliebhaber, die auf dem Gelände eine
seltene Fruchtfliegenart entdeckt und dem extrem lang gezogenen
Stretchdackel lieber noch zwei zusätzliche Beine gegönnt hätten,
konnten auch dank einer großen, emotional geführten Pressekampagne die
Nutzung als Dackelzucht verhindern, nachdem die Fruchtfliegenart unter
Schutz gestellt worden war.