Recklinghausen und der Chinese
Anfang des 11. Jahrhunderts wanderte der Chinese Ling Ling mit seiner Familie in die ländliche Gegend des Ruhrgebiets ein und eröffnete eine Wäscherei. Das Geschäft lief zuerst nicht sonderlich gut, aber nach und nach bekam Ling Ling immer mehr Kunden. Seine Frau Ling Na bügelte und auch das Söhnchen Ling Ling junior half im Laden mit aus. Ling Ling war ein sehr kleiner und schmaler Chinese, der seinen Körper aber durch viel Sport fit und geschmeidig hielt, was besonders seine Frau erfreute. Er war ein großer Turner, der gerne an der Klopfstange hing und sich dort hin und her schwang. Eines Tages errichtete er neben seiner Wäscherei ein kleines Sportstudio und bot – nachdem er einige Sportgeräte, wie zum Beispiel eine umgebaute Klopfstange in das kleine und erste Turnzentrum der Welt gestellt hatte – Turn- und Muskelaufbaukurse an, die bald der große Renner wurden. Das Programm „Bauch weg in 30 Tagen“ entwickelte sich für Ling Ling zum ganz großen Geschäft und er vernachlässigte seine Wäscherei, die nun von seiner Frau allein geführt wurde. Ling Ling erfand das Leck, den Ballen, das Sprunggerät Feld und die Linge, die aus zwei miteinander verbundenen Seilen mit einer Schlaufe bestanden, die an einem dicken Ast einer Eiche im Hof hingen. Das Leck wurde sein Lieblingsgerät und er der große Meister einer richtigen Sportbewegung. Nebenbei trainierte er eine Kampfsportgruppe, die er Linger nannte.
Die Familie Ling hatte die deutsche Sprache sehr schnell erlernt, aber sie konnte das „R“ nicht korrekt aussprechen, das sich wie ein „L“ anhörte.
Erst Ling Lings Enkel Manfred Ling sprach ein deutsches „R“ richtig aus und klärte die Welt eines schönen Tages auf, dass das Leck Reck, die Linge Ringe, das Feld Pferd und der Ballen eigentlich Barren hieß. Die Bezeichnung Ballen war den Sportlern schon komisch vorgekommen, aber da der große Meister, der noch bis ins hohe Alter Sportunterricht gab und als Reckturner viele Jahrhunderte unerreicht blieb, es eben so nannte, wer sollte das infrage stellen? Die Begriffe Linge und Linger, die nun natürlich Ringer hießen, benannt nach Ling Ling, wie die Sportler dachten, klangen nun wahrlich nicht ungewöhnlich. Die Jünger Ling Lings waren total verunsichert und die Sinnhaftigkeit der Lehren des großen zum Kult gewordenen Meisters wurde nach diesen Enthüllungen massiv hinterfragt. Es wurde viel darüber philosophiert, welche von seinen Thesen falsch oder richtig interpretiert worden waren. So hatte Ling Ling immer vom „Lecken“ am Reck gesprochen, womit das Lecken von „Schweiß lecken“ gemeint war, zumindest dachten die Turner das, aber nun wusste man, dass es „Recken“ heißen sollte – nach dem Reck recken.
Fragen der deutschen Behörden, ob Ling Ling gar Ring Ring geheißen haben könnte, konnte Manfred Ling bedauerlicherweise nicht beantworten. Auch die Frage, ob Ling Ling seine Wäscherei bewusst Wäschelei genannt hatte, oder ob es am „R“ lag, konnte ebenfalls nie ganz geklärt werden. Vielleicht hatte der Chinese ja an die Wäscheleine gedacht? Wäscheleine = Wäschelei?
Problematisch wurde es für die Behörden, die den kleinen Ort, der sich in der Nähe des Sportzentrums und der Wäscherei gebildet hatte, anhand Ling Lings vermeintlicher Aussprache als Lecklinghausen, was auch an Lings Kultturngerät erinnern sollte, in die Flurkarten eingetragen hatten. Schließlich wurde trotz der Kosten, die eine Umbenennung mit sich brachte, aus Lecklinghausen Recklinghausen.
Aber der pensionierte Oberlehrer Nikolaus Dröhmsack brachte die neue Namensgebung noch einmal ins Wanken. Er meinte Indizien dafür zu haben, dass Ling Ling in Wirklichkeit doch den Namen Ring Ring getragen habe und daher der Ort Reckringhausen genannt werden müsste. Aber das Oberste Verwaltungsgericht schmetterte aus Mangel an Beweisen die Eingabe des Oberlehrers schließlich doch ab und der Ort behielt den Namen Recklinghausen.