Hamburg und die Sparkasse


Der noch junge Schotte Rodney Braveless jun. lebte im 12. Jahrhundert in der Nähe von Harburg und führte ein beschauliches, einfaches Leben. Er, der als Kaufmann einst in die Gegend kam, war ein sehr sparsamer, eigentlich schon geiziger Mensch. Immer war Rodney Braveless jun., der aus Sicherheitsgründen nur kleine Geschäfte abwickelte und hauptsächlich mit Tuchen handelte, auf der Suche nach Schnäppchen. Er roch diese Gelegenheitsgeschäfte regelrecht, aber zu riesigen Gewinnen reichte es nie, da er einfach zu vorsichtig war und Angst hatte Geld zu verlieren. Denn dieses kam für ihn nicht in Betracht. 
Eines Tages lernte Rodney Birgit von Mehrhaben, die nicht unhübsche Tochter eines Geldverleihers kennen und heiratete sie. Nun war es für ihn mit dem ruhigen Leben vorbei, denn seine Frau war ehrgeizig und wollte ihn zu einem Mann mit Erfolg und Einfluß machen. So musste er zuerst seinen lächerlichen, wie sie sagte, Namen ändern. Er nannte sich von nun an Rod McBrave. Und Birgit kam auf eine weitere glorreiche Idee. Warum nutzten sie nicht das Geld anderer um damit Geschäfte zu tätigen. Rod kaufte – natürlich auf Kredit über seinen Schwiegervater – ein kleines Ausflugsschiff, was bisher Touristen auf Alster- und Elbfahrten transportiert hatte, und ließ mitten auf der Alster den Anker werfen. Dann richtete er auf der „Großherzogin Jolanthe“ ein Geldinstitut ein und nannte es Sparkasse. Als das sicherste Geldinstitut weit und breit machte Rod McBrave Werbung, denn damals konnten die Menschen kaum schwimmen, somit war die mitten auf dem Strom liegende „Großherzogin Jolanthe“ ein relativ sicheres Geldaufbewahrungsinstitut. Für seine Kunden arrangierte er einen kostenlosen Shuttleservice, der aus einem Ruderboot bestand. Und das Geschäft lief gut. Rod McBrave standen oft viele Schweißperlen auf der Stirn, wenn er den Geldbestand überprüfte. Er zahlte damals etwas mehr als die üblichen Zinsen und legte das Geld seiner Kunden gut an. Im Volksmund wurde die „Großherzogin Jolanthe“ wegen der an Bord befindlichen Sparkasse und dem Bargeld bald nur noch die Barkasse genannt. Und Barkassen fahren noch heute als Fahrgastschiffe oder Schleppfahrzeuge durch den Hamburger Hafen.
Rod McBrave liebte Ham und Eggs zum Frühstück. Wenigstens diese Vorliebe von der britischen Insel hatte er sich bewahrt. 
Als sein bester Kunde, Graf Detlev der Müde, am Alsterufer in der Nähe von McBraves Barkasse eine kleine, befestigte Burg erbauen ließ und Rod nun auch einer seiner Freunde wurde, bewirtete der Schotte Graf Detlev gerne mit Ham und Eggs zum Frühstück. Und da der ziemlich phantasielose Burgherr einen Namen für seine Burg suchte, kam er in einem lichten Moment auf die Idee diese Ham- und Eggsburg zu nennen. Aber dann kürzte er aus Faulheit doch noch den Namen auf Hamburg ab. Der Graf, den man diese Entschlusskraft kaum zugetraut hatte, gründete die erste Wach- und Schließgesellschaft in Norddeutschland und übernahm mit seinen Männern von Land aus, obwohl er immer so müde war, die dezente Bewachung der wertvollen Barkasse und besserte so auch seine Portokasse etwas auf.
Viele berühmte Künstler zog es zur Hamburg, wie u. a. die Maler Kevin den Älteren, Kevin den Jüngeren und Kevin den Ganzjungen. Der Berühmteste unter ihnen war aber der Maler und Bildhauer Leonardo da Wischi - nebenbei der Erfinder des Wischmopps und Liebhaber von Möpsen aller Art, den es erstmals gelang den stets müden Gesichtsausdruck des Grafen eindrucksvoll zu porträtieren.
Eines nebligen Morgens im Spätsommer enterte der südfriesische Häuptling Laszlo Rafael der Vielseitige mit seinen Männern die Barkasse und raubte im Schutze des dichten Nebels nicht nur Rod McBraves sämtliches Geld, sondern auch dessen Frau, die gerade an der Kasse saß, während Rod bei Graf Detlev gerade Ham und Eggs in Mengen vertilgte. Der Verlust des Geldes schmerzte Rod McBrave sehr. Er war vollkommen ruiniert. Der Begriff Bankrott - so wurde zumindest gesagt - wurde später von "Bank Rod McBrave" abgeleitet.
Enttäuscht von der Welt kehrte Rod nach Schottland zurück und nannte sich nun wieder Rodney Braveless jun., während Häuptling Laszlo Rafael noch den Tag verfluchen sollte, als er nicht nur das Geld, sondern auch Birgit von Mehrhaben geraubt hatte. Die Hamburg blühte dagegen auf und wurde zur Handelsstadt, schon allein, weil Graf Detlev der Müde nicht mehr auf sein britisches Frühstück verzichten wollte.  



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