Frankfurt und der Fehdehandschuh



Bei einem Integrationsgipfel zur Eingliederung von Randgruppen in die hessisch-menschliche Gesellschaft, wie zum Beispiel soziale Banker, verschwendungssüchtige Schwaben, Weißwurst ablehnende Bajuwaren, lernten sich um das Jahr 800 herum Frank Maximilian von Kleinfuß, Hesekiel Baron von Bembel und Olav Fürchtemich Lusche kennen und schätzen. Frank Maximilian war als Vertreter des verarmten Landadels in dem Gremium vertreten. Seine einzige Einnahmequelle war der Betrieb von drei Donnerbalken im nahe gelegenen Waldgebiet. Ein ehemaliger Oberförster, Alfons McMillan, war sein einziger Angestellter, der pausenlos zwischen den drei Donnerbalken mit einer Schaufel unterwegs war und, wenn es die Zeit erlaubte, auf seinem Kamm das eine oder andere beruhigende Liedchen spielte. Auch wenn sich ein Kunde besonders quälen musste, konnte ein Liedchen auf diesen entspannend wirken. Und war es vollbracht, gab ein Spruch wie: „Wie ein junger Gott“ dem Kunden ein gutes Gefühl etwas Großes geleistet zu haben. Da stimmte einfach das Preis-/Leistungsverhältnis. Alfons McMillan gilt als erster Toilettenmann der Neuzeit.  
Hesekiel von Bembel als Vertreter der Wirtschaft hatte viel Geld mit Äppelwoi verdient und die berühmte Steingutkanne – bekannt als Bembel – erfunden. Olav Fürchtemich Lusche war als Werbefachmann gefragt und gleichzeitig Vorsitzender des Main-Werbekreises.  
Ein von Lusche entwickelter Werbespruch für Frank Maximilian von Kleinfuß: „Komfort und Luxus / erfährst Du hier auf Franks Lokus“ wurde aus Geldmangel des Donnerbalkenbetreibers nie umgesetzt.  
Bei einer Integrationsfeier im „Grunzenden Wildschwein“ – zwei Banker hatten einen Kleinunternehmer in die Insolvenz getrieben und somit wieder ihren Weg zurück ins Leben gefunden – lernten Kleinfuß und Bembel die Tochter Lusches kennen. Melusine war wunderhübsch, jung und blond. Beide Männer hatten nur noch Augen für diese Frau. Lusche hätten sie nie eine solche Tochter zugetraut, denn er selbst schien statt mit Muttermilch mit Essig gesäugt worden zu sein.
Bei einem Tänzchen konnte sich Frank plötzlich nicht mehr zurückhalten und gab der davoneilenden Melusine Lusche einen Klaps auf den wohlproportionierten Po. Hesekiel von Bembel hatte es zufällig beobachtet und eilte der sich nur leicht entrüstet gebenden Melusine zur Seite. Hesekiel, groß und schwer, packte von Kleinfuß am Kragen und zerrte ihn nach draußen. Frank Maximilian, eher kurz und schmächtig, hatte gegen seinen alten Kumpanen keine Chance.  
Bembel schüttelte Frank nun kurz und heftig und sagte mit drohendem Unterton: „Lass sie zufrieden. Melusine gehört mir!“
Hesekiel ging wieder hinein und amüsierte sich nun prächtig mit der wunderbaren Melusine. Frank Maximilian sah es durch ein Fenster. Die Gastwirtstochter strahlte. Die Eifersucht kochte in Frank hoch und er vergaß für einen Augenblick seine Angst vor den gewaltigen Kräften seines Freundes. Er stürmte hinein und schupste von Bembel zur Seite und ergriff die Hände der Angebeteten. Aber schon spürte Frank  schneller als erwartet die Faust des Barons und lag bald wieder draußen vor dem Gasthaus im Schmutz. Einen letzten Anflug von Mut brachte Frank Maximilian von Kleinfuß noch einmal in die Schankstube zurück, aber selbst Melusine schaute ihn nur noch missbilligend an. Wütend warf Hesekiel Kleinfuß einen Fehdehandschuh zu. Franks Angst ergriff nun vehement die Kontrolle über seinen Körper. Er ignorierte geflissentlich die private Kriegserklärung, indem er rechtzeitig zur Seite sprang und den Handschuh nicht aufnahm.  
„Nein“, rief Frank Hesekiel noch zu, bevor er schnellen Schrittes die Gaststube und für immer Melusine verließ.
„Du nimmst meinen Fehdehandschuh an und stellst dich wie ein Mann“, schrie von Bembel ihm nach.
Von Kleinfuß verschwand in der Nacht – verfolgt von seinem Widersacher – und lenkte seine Schritte zum Main hinunter und verbarg sich zitternd vor Hesekiel im breiten Schilfgürtel. Er hörte noch, wie der Baron ihn wütend suchte, aber die Nacht und das Schilf boten ein ideales Versteck für den ängstlichen Frank Maximilian von Kleinfuß.
Am nächsten Morgen verließ er hungrig den schützenden Schilfgürtel.   Und kaum hatte er sich in Richtung seines kleinen Hauses aufgemacht, als sein Widersacher auf einem Pferd angaloppiert kam. Frank sah, wie Hesekiel einen Handschuh in der Hand trug, den er ihn wieder vor die Füße werfen wollte.
„Feigling, bleib stehen“, rief Hesekiel schon von weitem, als er sah, wie dieser wieder in Richtung des Mains rannte.
„Nein“, entgegnete Frank Maximilian und hatte bald wieder den schützenden Schilfgürtel erreicht und versteckte sich wieder darin.
Nun war aber Hesekiel gut vorbereitet und steckte mit einer Fackel das trockene Schilf an. Frank wich vor den sich schnell ausbreitenden Flammen immer weiter am Main zurück und da er auch nicht schwimmen konnte, sah er bald keinen anderen Ausweg mehr, als den Fehdehandschuh seines ehemaligen Freundes anzunehmen und sich von ihm im Duell töten zu lassen. Aber dann entdeckte er plötzlich an einer Stelle im Main einige Felsen, die sich knapp unter der Wasseroberfläche befanden und sich weiter in den Fluss hineinzogen. Eine Furt! Es war die Rettung für den verzweifelten Frank Maximilian von Kleinfuß. Er ging langsam und vorsichtig über die Felssteine durch den Fluss. Erst als er das andere Mainufer mit nassen Füßen unbemerkt – auch dank der gewaltigen Rauchschwaden – erreicht hatte, damals war der Main wesentlich breiter als heute, winkte er Hesekiel noch zu und verschwand für immer aus dem Leben Hesekiels und seines alten Umfelds. Gerüchten zufolge verdingte sich Frank im fernen Sachsenlande als Hundefänger, Katzenschreck und Fanbeauftragter eines Sportvereins und lebte dort glücklich und zufrieden.
Hesekiel war über die Rettung Franks sehr erstaunt und fand erst Tage später mit Hilfe einiger anderer Leute die Mainfurt. Er vergab Frank, für den er keinen Groll mehr hegte, heiratete Melusine und gründete wegen der wirtschaftlich lukrativen Lage an der Furt des Mains eine Siedlung, die den Namen Neu-Offenbach erhielt und erst viele Jahre später von seiner Witwe Melusine, deren Erinnerungen an von Kleinfuß sich im Alter verklärt hatten, in Frankfurt umbenannt wurde. Ein sich der Gewalt entziehender Mann wurde somit der Namensgeber einer sich rasant entwickelnden Stadt am Main.


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